Geschichte der Orgel

In den Archiven ist erstmals für das Jahr 1751 die Anschaffung einer Orgel dokumentiert, wie Herbert Streit in seinem Heimatbuch Oberstreu: Ein Dorf in Franken ausführt. Da die damalige Kirche zwei Emporen hatte, ist anzunehmen, dass bereits zu einem früheren Zeitpunkt eine Orgel in dieser vorhanden war. Für die folgenden ca. 170 Jahre ist kaum etwas über die Orgel dokumentiert. In den Jahren 1914/15 wurde die alte Kirche abgerissen und eine neue erbaut, in der vermutlich das alte Instrument weiterhin seinen Dienst tat.

Erst im Jahr 1921 wurde von Orgelbaumeister Eduard Hofmann aus Hofheim die Orgel unter Einbeziehung einer größeren Anzahl vorhandener Pfeifen in ein pneumatisches Instrument umgebaut. Auch ein neuer Spieltisch wurde angefertigt. Aus dem Kostenvoranschlag vom 20. März 1916 geht hervor, dass das Orgelgehäuse durch die Kirchenverwaltung zu beschaffen war. Im Jahr 1949 wurde unter Pfarrer Josef Stöger, der selbst ein passionierter Organist und Kirchenmusiker war, durch die Orgelbaufirma Hochrein aus Münnerstadt eine Reinigung und Imprägnierung durchgeführt, und die Orgel um sieben neue Register verstärkt.

Foto: Christoph Schindler

Aufschrift auf der Pfeife D des Subbaß 16′:

Pfarrer Josef Stöger, in Oberstreu seit 1. Mai 1949, ließ diese Orgel reinigen, imprägnieren, durch sieben neue Reister verschönern und verstärken

Die Arbeit machte sein Hoforgelmacher Franz Hochrein aus Münnerstadt mit Hilfe seiner beiden Söhne Franz und Heinrich in bester Ausführung.

Oberstreu 1. September 1949.
Stöger. Pfarrer.

Im gleichen Jahr begann Imelda Geis (1933 – 2019) ihren Dienst als Organistin und versah diesen in treuer und bewährter Manier 70 Jahre lang. Das ist wirklich eine außerordentliche Leistung. Ihr Wirken ist somit „Bestandteil“ der Orgelgeschichte.

Organistin Imelda Geis

Nach 1949 wurden immer wieder weitere Register eingebaut, wie aus einer weiteren Inschrift von Pfarrer Stöger vom 18. Januar 1960 auf der Pfeife D des Subbaß 16’ hervorgeht. Zu diesem Zeitpunkt war eine Reinigung, Imprägnierung und Stimmung durch die Firma Hoffmann (ehem. Markert) aus Ostheim abgeschlossen worden.

Foto: Christoph Schindler

Anfang Januar 1960 wurde diese Orgel wieder gereinigt und gegen Holzwurm imprägniert und gestimmt durch die Firma Hoffmann (ehem. Markert) in Ostheim um 900,- DM.

Die Orgel wurde in den letzten 10 Jahren weiter verbessert. Nun hat sie die Register: I. Man. Sesquialtera 2 fach, Prinzipal 8′, Gamba 8′ Gedackt 8′, Dolce 8′, Gemshorn 2′, Oktav 4′, Oktav 1′, Mixtur 5 fach.
II. Man. Geigenprinzipal 8′, Spitzflöte 4′, liebl. Gedackt 8′, Quinte ⅓‘, Waldflöte 2′, Cymbel ½‘ 3 fach, Prinzipal 4′, Quintatön 8′.
Pedal: Posaune 16′, Oktavbass 8′, Violon 16′, Subbass16′, Zartbass 16′, Prinzipal 16′ (aus der ehem. Kirche in Bad Kissingen)

Die letzten Änderungen an der Orgel wurden im Jahr 1963 vorgenommen. Sie erhielt einige weitere Pfeifen, und der Spieltisch erhielt ein neues Gehäuse durch die Orgelbaufirma Hey aus Urspringen.

In den folgenden mehr als 50 Jahren wurden bis auf wenige Stimm- und Reinigungsarbeiten keine wesentlichen Erhaltungsmaßnahmen an der Orgel durchgeführt. Sie war daher im Jahr 2017 in einem erbärmlichen Zustand. Insbesondere der Holzwurm, immense Rußablagerungen und eine beträchtliche Menge an Vogelkot hatten dem Instrument stark zugesetzt.

Der Zahn der Zeit nagte an den Pfeifenstöcken. Foto: Christoph Schindler

Während zunächst nur eine Generalsanierung ins Auge gefasst wurde, entstand in Zusammenarbeit mit Regionalkantor Peter Rottmann, der Orgelbaufirma Hoffmann & Schindler aus Ostheim und dem Organisten
Dr. Wolfgang Heuring ein Konzept zur Erweiterung mit dem Ziel, das Klangspektrum der Orgel zu erweitern, um die Vielseitigkeit der musikalischen Mitgestaltung von Gottesdiensten zu erhöhen sowie insbesondere die Musik der berühmten französischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts (Franck, Guilmant, Widor, Vierne, Messiaen, …) darstellen zu können.

Nachdem sich sowohl die Diözese, die Kirchenverwaltung und die Gemeinde Oberstreu als auch mehrere großzügige Spender bereit erklärt hatten, einen Großteil der Finanzierung aufzubringen, beschloss die Kirchenverwaltung im Frühjahr 2017, das Projekt entsprechend umzusetzen.

Mit der neuen (erweiterten) Orgel steht nun ein Instrument zur Verfügung, das in der Region Nordbayern sicherlich zu den bedeutendsten seiner Art gehört.

Die Weihe der neuen, erweiterten Orgel fand am 21. April 2018 durch Weihbischof Boom statt.

Die Präsentation zur Instandsetzung mit Umbau und Erweiterung der Orgel (Stand April 2018) ist hier zu finden.

Ab Ende 2018 wurden weitere Ergänzungen in die Orgel eingebracht:

Im Dezember 2018 wurde im Pedal die kurzbechrige Posaune 16′ durch eine Bombarde 16′ in französischer Bauart ersetzt.

Ende 2019 wurden im Hauptwerk (I. Manual) ein Cromorne 8′ (sowie ein Cromorne 4′ als Transmission) und eine Voix humaine 8′ hinzugefügt. Beide Register stehen als Transmissionen auch im II. Maual zur Verfügung.
Weiterhin wurden beim Cornett 5-fach im I. Manual die Töne C bis e hinzu gefügt und das Register Grand Cornett als Transmission zur Verfügung gestellt.
Im II. Manual wurde die Trompette harmonique 4′ (als Transmission aus dem 16′ Register) ergänzt.
Im Pedal wurden Majorbass 32′ (durch Kombination von Pfeifen des Prinzipalbaß 16′), Cello 8′ und Viola 4′ (Transmissionen aus Gambe 8′),
Flöte 2′ (Transmission aus Flute harmonique 4′), sowie Cromorne 8′, Trompette 16′ und 4′ (Transmisssionen aus den entsprechenden Registern des I. und II. Manuals) hinzu gefügt.
Das Manual I erhielt einen Tremulanten.

Im Dezember 2020 wurde eine Celesta der Firma Schiedmayer eingebaut. Diese hat einen Tonumfang von 68 Tönen (C bis g““). Es war daher möglich, neben dem Register Celesta 4′ auch ein Register Celesta 2′ als Transmisssion bereit zu stellen.

Ende 2023 entstand hinter dem Hochaltar ein Echowerk mit folgenden Registern: Flöte 8′ (nach Mensuren des Firmengründers Johann Georg Markert gefertigt), Rohrflöte 4′. Doublette 2′, Sesquialter 2-fach, Echotrompete 8′ (französische Bauart), Echotrompete 4′ (Transmisssion aus 8′-Register), Tremulant.
Das Echowerk kann an die Manuale I und II sowie an das Pedal gekoppelt werden.

Die Einweihung des Echowerks erfolgte durch Pfarrer Thomas Menzel am 28.01.2024 im Rahmen eines festlichen Neujahrskonzertes mit Regionalkantor Peter Rottmann an der Orgel.

Im Oktober 2014 wurde im Echowerk noch das Register Clarinette 8′ ergänzt.

Die Orgel hat nunmehr 2.758 Pfeifen, davon 404 im Echowerk.

Die Disposition der Orgel finden Sie hier.